Wissen · 7 Min. Lesezeit
Lohnt sich ein virtueller Rundgang? Rechnen statt schätzen
Arrion · 14. August 2026
Diese Frage wird selten ehrlich beantwortet. Anbieter rechnen mit Aufrufzahlen vor, weil die immer gut aussehen. Nur zahlt niemand Rechnungen mit Aufrufen.
Hier steht deshalb kein Beispiel mit ausgedachten Zahlen, sondern der Rechenweg, in den eigene Zahlen eingesetzt werden. Am Ende steht ein Betrag, den man dem Angebot gegenüberstellen kann.
Der Fehler, der die Rechnung fast immer kippt
Die meisten stellen einmalige Kosten einem einmaligen Nutzen gegenüber: Der Rundgang kostet X, das Projekt bringt Y. So gerechnet lohnt er sich fast nie.
Ein Rundgang wird einmal erstellt und ist mehrere Jahre nutzbar. Er gehört deshalb über seine Nutzungsdauer gerechnet, so wie eine Maschine auch nicht gegen den ersten Auftrag gerechnet wird. Bei einer Immobilie ist die Nutzungsdauer eine Vermarktung, bei einem Werk, einem Museum oder einem Betrieb sind es Jahre. Das ist der wichtigste Unterschied zu Anzeigenbudget, das jedes Jahr neu ausgegeben wird.
Rechenweg 1: Eingesparte Zeit
Das ist der Teil, der sich sauber rechnen lässt. Vier Zahlen, alle aus dem eigenen Betrieb:
- Wie viele Termine im Jahr zeigst du dasselbe Objekt? Besichtigungen, Führungen, Vorabtermine.
- Wie lange dauert ein Termin einschließlich Anfahrt, Vorbereitung und Nachbereitung? Die Anfahrt wird beim Schätzen fast immer vergessen und ist oft der größere Teil.
- Welcher Anteil dieser Termine findet ohne echtes Interesse statt? Das ist der Anteil, den ein Rundgang vorher aussortiert. Wer die Zahl nicht kennt, sollte sie ein Quartal lang mitschreiben, bevor er investiert.
- Was kostet eine Stunde der Person, die den Termin macht?
Termine mal Dauer mal Anteil ohne Interesse mal Stundensatz ergibt die jährliche Einsparung. Dem stehen der einmalige Preis und das laufende Hosting gegenüber.
Diese Rechnung ist bewusst vorsichtig. Sie unterstellt, dass der Rundgang nur Termine ersetzt, und rechnet keinen einzigen zusätzlichen Abschluss ein. Wenn sie schon aufgeht, muss man über den Rest nicht mehr diskutieren.
Rechenweg 2: Schnellere Entscheidungen
Schwerer zu fassen, oft größer. Wer digital durchgelaufen ist und dann noch einen Termin will, hat sich innerlich bereits entschieden. Übrig bleiben weniger, aber ernsthaftere Gespräche.
Für die Immobilienvermarktung gibt es dazu Marktzahlen: Inserate mit 3D-Tour erhalten deutlich mehr Aufrufe und stehen kürzer am Markt. Zur Einordnung gehört dazu, dass es sich um Marktbeobachtungen handelt und nicht um eine Zusage für das einzelne Objekt. Lage und Preis bleiben die stärkeren Faktoren. Die Zahlen und ihre Grenzen stehen im Beitrag 360°-Rundgang für Immobilien.
Für Betriebe lässt sich das nicht mit Marktzahlen belegen, dort gilt die schlichte Logik: Wer die Fertigung gesehen hat, stellt im Gespräch andere Fragen als jemand, der sie sich vorstellt.
Rechenweg 3: Was ohne Rundgang gar nicht stattfindet
Der Posten, den keine Tabelle zeigt, weil er nie stattgefunden hat. Der Interessent aus 600 Kilometern Entfernung, der nicht anreist und deshalb nicht anfragt. Die Schulklasse, für die sich der Bus nicht lohnt. Der Bewerber, der sich nicht bewirbt, weil er nicht weiß, wo er landen würde.
Das lässt sich nicht seriös in Euro fassen. Aber man kann es messbar machen, sobald der Rundgang läuft: Anfragen fragen, wodurch sie auf euch aufmerksam wurden, und in der Auswertung ansehen, aus welchen Regionen die Zugriffe kommen. Wer nach einem Jahr sieht, dass ein Drittel der Zugriffe von außerhalb des üblichen Einzugsgebiets kommt, hat seine Antwort.
Warum Aufrufzahlen keine Währung sind
Ein Rundgang mit 4.000 Aufrufen klingt nach Erfolg. Er sagt aber nichts darüber, ob daraus etwas wurde. Zwei Werte sind aussagekräftiger:
- Verweildauer im Rundgang. Sie unterscheidet zwischen Vorbeischauen und Ansehen. Wer sich mehrere Minuten bewegt, hat sich beschäftigt.
- Anfragen, die den Rundgang erwähnen. Der direkteste Beleg, und der einzige, der bis zum Auftrag reicht. Dafür genügt eine Zeile im Anfrageformular oder die Frage im Erstgespräch.
Beides gehört zur Auswertung, die beim Arrion Rundgang enthalten ist.
Die drei Fälle, in denen er sich nicht lohnt
Wir raten in diesen Fällen ab, auch wenn das gegen den eigenen Auftrag geht:
- Das Objekt verändert sich häufig. Wer alle paar Monate umbaut oder umräumt, zeigt bald einen Zustand, den es nicht mehr gibt. Ein veralteter Rundgang wirkt schlechter als gar keiner.
- Es kommen ohnehin nur wenige feste Kunden, die regelmäßig vor Ort sind. Dann fehlt der Anlass, und Rechenweg 1 geht nicht auf.
- Es soll etwas kaschiert werden. Ein Rundgang zeigt, was da ist. Wer den Raum vor Ort nicht herzeigen würde, sollte ihn auch nicht digital herzeigen.
Was du vor dem Angebot wissen solltest
Damit die Rechnung überhaupt aufgemacht werden kann, braucht es zwei Dinge: die Zahl der wiederkehrenden Termine und den Preis. Woraus sich der Preis zusammensetzt und warum die Fläche dabei nicht der stärkste Faktor ist, steht im Beitrag Was kostet ein 360°-Rundgang?.
Für Produktion und Handwerk gibt es einen eigenen Beitrag mit den Fragen, die dort zuerst kommen, allen voran die Betriebsgeheimnisse: Virtueller Werksrundgang.
Weiterlesen: Rundgang, Video oder Fotos: was wofür taugt.
Häufige Fragen
Lohnt sich ein virtueller Rundgang?
Das hängt daran, was er bei dir ersetzt oder ermöglicht. Rechenbar ist er dort, wo er wiederkehrende Termine einspart: Besichtigungen, Führungen, Vorabtermine. Nimm die Zahl dieser Termine im Jahr, den Anteil, der ohne echtes Interesse stattfindet, und deinen Stundensatz. Das ergibt eine Zahl, die du dem einmaligen Preis gegenüberstellen kannst. Schwerer zu rechnen, aber oft größer sind die Fälle, die ohne Rundgang gar nicht erst zustande kommen.
Wie berechnet man den ROI eines virtuellen Rundgangs?
Über die eingesparte Zeit, nicht über Aufrufe. Aufrufe sind keine Währung. Die belastbare Rechnung lautet: eingesparte Termine im Jahr mal Dauer je Termin inklusive Anfahrt mal Stundensatz. Dem stellst du die einmaligen Kosten plus laufendes Hosting gegenüber. Wichtig ist die Laufzeit: Ein Rundgang wird einmal erstellt und bleibt mehrere Jahre nutzbar, deshalb gehört er über seine Nutzungsdauer gerechnet und nicht gegen ein einzelnes Projekt.
Ab wann rechnet sich das?
Eine allgemeingültige Zahl dafür gibt es nicht, und wer eine nennt, kennt deinen Betrieb nicht. Die Faustregel, die trägt: Je öfter du dasselbe Objekt jemandem zeigst, desto schneller rechnet es sich. Ein Objekt, das einmal im Jahr gezeigt wird, rechnet sich kaum. Eine Ausstellung, ein Werk oder ein Musterhaus, das jede Woche jemandem gezeigt wird, rechnet sich schnell.
Was bringen die Aufrufzahlen?
Als Beleg für den Nutzen wenig. Aufrufe sagen, dass jemand hingesehen hat, nicht dass daraus etwas wurde. Aussagekräftiger sind zwei andere Werte: die Verweildauer im Rundgang, weil sie zwischen Vorbeischauen und Ansehen unterscheidet, und die Zahl der Anfragen, die den Rundgang erwähnen. Beides liefert die Auswertung, die zum Rundgang gehört.
Wann lohnt sich ein virtueller Rundgang nicht?
Wenn sich das Objekt häufig verändert, weil der Rundgang dann veraltet und ein veralteter Zustand schlechter wirkt als keiner. Wenn ohnehin nur wenige feste Kunden kommen, die regelmäßig vor Ort sind. Und wenn er etwas verdecken soll: Er zeigt, was da ist. Was man vor Ort nicht herzeigen würde, sollte man auch nicht digital herzeigen.
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